Extreme Notfallsituationen – aber auch extrem gut gelöst

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Extreme Notfallsituationen – aber auch extrem gut gelöst

Laute Schmerzensschreie kommen hinter einem Stapel Behälter in der großen Werkhalle hervor. Schnell fangen die Jungen und Mädchen der Botnanger Jugendfeuerwehr an, die Kisten und Tonnenbeiseite zu räumen. Im Eck liegt ein Arbeiter, blutüberströmt und kreidebleich –und mit einem Metallstab, der aus der Wand ragt, durch seinen Oberkörper. Der grausige Anblick währt nur kurz, dann fällt das Licht aus. Eine Gruppe baut sofort Lichtmasten auf, die anderen kümmern sich um den Verletzten. Doch zum Glück ist alles nur gestellt. „Die haben’s echt gut gemeint“, sagt Kevin Zink, stellvertretender Jugendgruppenleiter der Botnanger Feuerwehr, angesichts der schwierigen, aber realistischen Übung inklusive Stromausfall. „Da sind sie ein bisschen ins kalte Wasser geworfen worden.“ Dennoch hätten die 14 Kinder „alles extrem gut und zügig gemacht“, lobt er – sicher auch, weil sie während des alle zwei Wochen stattfindenden Übungsdienstes schon viel gelernt haben.

HeAb 2012 | TH„Sehr zufrieden“ mit der Leistung zeigte sich auch Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Bandtel vor der abschließenden Einsatznachbesprechung mit den jungen Rettern. Am Tag zuvor wurden die Kinder über die Art des Einsatzes – also ob Brand, Unfall oder technische Hilfeleistung informiert. „Sie brauchen ja ein positives Erlebnis“, sagt er, denn ohne Vorabinfo für die sehr realistisch dargestellten Szenen wäre es für viele wohl nicht so leicht gewesen, so schnell und angemessen zu reagieren. Vor einem Jahr begannen die Planungen zur Herbstabschlussübung, die erste war vor zwei Jahren auf dem Gelände des Kraftwerks in Münster. „Bosch hat uns richtig klasse hier unterstützt“, sagt Bandtel über den Gastgeber. „Das ist für mich echtes soziales Engagement“, begründet Franz Wernke, stellvertretender Standortleiter, warum man die Jugendfeuerwehr einen halben Tag lang aufs Gelände ließ und zudem Personal und Geräte stellte, wie etwa die Güterlok, die mit einem Auto zusammengestoßen war, aber auch die Hallen und Behälter, mit denen Gefahrgutunfälle simuliert wurden. „Das ist ja eine sinnvolle Sache, wenn Jugendliche da mitmachen.“Zudem könne Bosch profitieren. Denn das Unternehmen hat zwar eine Werkfeuerwehr, aber auch eine Rufbereitschaft von Mitarbeitern, von denen viele in einer Freiwilligen Feuerwehr sind. „Und wenn die Nachwuchs suchen und begeistern, kann das ja uns helfen.“Dafür verschob Bosch auch die Pläne für eine große gemeinsame Übung der eigenen, der Berufs­ und der Freiwilligen Feuerwehren sowie der Rettungsdienste auf das kommende Jahr.

HeAb 2012 | LeiterUnterdessen haben auch die Weilimdorfer Jungen und Mädchen ihre Aufgabe erfüllt. Sie sind zu einem Unfall gerufen worden, die Fahrzeuginsassen wareneingeschlossen, zudem fing das Auto noch an zu brennen. Zunächst sägten zwei Mädchen mithilfe eines Erwachsenen die Frontscheibe auf, dann öffneten sie mit einem Bolzenschneider die Tür, während zwei Jungs den beginnenden Brand an der Unterseite des Autos löschten. Auch das von den Botnangern gerettete „Opfer“ – wie die anderen DLRG­Mitglied– ist mittlerweile erstversorgt worden. Und kann anschließend lachend seine Bandage um den Bauch, an der die Metallstäbe befestigt waren, wieder lösen. „Das war ziemlich realistisch nachgestellt“, sagt der 15­jährige Benedikt. „Sowas krasses hab ich noch nie erlebt“, ergänzt der gleichaltrige Lukas. Er hatte die Aufgabe, den Metallstab mit einem Bolzenschneider von der Befestigung zu kappen.„Das muss man erst mal verarbeiten und hinbekommen, dass man dem Opfer erst wehtun muss, um ihm zu helfen“, sagt er. „Aber wir haben vielgelernt und es war eine gute Übung, die Spaß gemacht hat.

Julia Schweizer | Stuttgarter Wochenblatt

Unser besonderer Dank gilt: Robert Bosch GmbH, Branddirektion Stuttgart, DLRG RUND Ausbildung, Karle Recycling GmbH